AWO Jugendhilfeverbund
Südharz

Leitlinien des pädagogischen Handelns in den JHV der AWO AJS gGmbH

Präambel
Die veränderten gesellschaftlichen und gesetzlichen Rahmenbedingungen sind Herausforderungen für Kinder, Jugendliche und Familien und erfordern ein hohes fachliches und persönliches Engagement aller Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen.

Wir sehen die Erziehung von Kindern und Jugendlichen als verantwortungsvolle Aufgabe, die es erfordert, dass wir uns über gemeinsame Standards verständigen.

Die demokratischen Grundrechte von Kindern, Jugendlichen und Familien sowie das Leitbild der AWO Thüringen sind die Grundlagen unseres Handelns.  
Die vorliegenden Leitlinien sind das Ergebnis eines umfangreichen Diskussionsprozesses der Jugendhilfeverbünde der AWO AJS gGmbH im Rahmen von Beratungen und Klausurtagungen.

Wir verstehen diese Leitlinien als gemeinsamen und verbindlichen Handlungsrahmen, der die individuellen Gestaltungsmöglichkeiten aller Beschäftigten in den pädagogischen Alltagssituationen berücksichtigt.

1. Unsere berufliche und persönliche Haltung

Wir sind der Überzeugung, dass die berufliche und persönliche Haltung grundlegend mitbestimmt, wie Beziehungen gestaltet und Methoden und Konzepte im Erziehungsalltag umgesetzt werden. Der Aufbau von vertrauensvollen Beziehungen ermöglicht gelingende Erziehung und persönliche Entwicklungen.

Eine kooperative und loyale Zusammenarbeit im Team ist dazu unerlässlich.

  • Wir sind uns unserer Vorbildrolle und Verantwortung bewusst.
  • Wir gehen wertschätzend und tolerant miteinander um. Wir sind authentisch und kritikfähig, verständnisvoll und einfühlsam.
  • Wir sorgen für die physische und psychische Gesundheit aller. Wir wissen um unsere Verantwortung im Spannungsfeld zwischen Pädagogik und der Fürsorge und Aufsichtspflicht. Insbesondere lehnen wir Machtmissbrauch und  Mobbing ab und gehen offensiv dagegen vor.
  • Wir reflektieren uns und unsere Arbeit mit internen und externen Methoden.
  • Wir bringen uns selbst aktiv in die Weiterentwicklung unserer Arbeit ein. Wir denken ganzheitlich und innovativ.
  • Wir gehen sensibel mit der Privatsphäre der Kinder, Jugendlichen und Familien und der Beschäftigten um und achten das Eigentum.
  • Wir beteiligen Kinder, Jugendliche und Familien angemessen an allen pädagogischen Prozessen. Wir nehmen Eltern als Expertinnen ihrer Kinder und somit als Partner wahr. Wir geben Halt und Orientierung und fördern Entwicklung.
  • Wir tragen stets entsprechend des Dienstauftrags bzw. -alltags angemessene Garderobe. Wir tragen bzw. zeigen keine Kleidung und keinen Körperschmuck mit verfassungswidrigen, sexistischen, suchtmittelverherrlichenden Aufdrucken, Schriftzügen, Symbolen oder Zeichen.
  • Wir lehnen den Konsum von Suchtmitteln während des Dienstes ab, insbesondere vermeiden wir in Anwesenheit der Kinder, Jugendlichen und Familien zu rauchen.


2. Unsere Kommunikation

Kommunikation ist unser alltägliches Handwerkszeug und hat eine herausragende Bedeutung.

  • Wir pflegen einen freundlichen und höflichen Umgangston. Alle Beschäftigten sind dafür Modell und geben Orientierung.
  • Wir sind im Dienst immer aktuell informiert und fragen nach, wenn uns  Abläufe bzw. Entscheidungen unklar sind.
  • Wir hören aktiv zu, lassen uns gegenseitig aussprechen und fragen nach Bedürfnissen und Gefühlen. Wir richten den Blick auf die Körpersprache und geben Ich-Botschaften sowie eine unverzügliche und angemessene Rückmeldung.
  • Wir handeln überlegt und vermeiden Aktionismus.
  • Wir begegnen Provokationen sowie verbalen, körperlichen und sexuellen Übergriffen mit klaren Grenzsetzungen.
  • Wir befähigen zu einer altersgerechten und sensiblen Auseinandersetzung mit Medien und einem verantwortungsbewussten Umgang mit den persönlichen Einstellungen in sozialen Netzwerken. Wir nehmen keine Freundschaftsanfragen von Schutzbefohlenen und deren Familien an.
  • Wir schützen personenbezogene Daten. Insbesondere geben wir unbefugt keine privaten Telefonnummern und Adressen an Dritte weiter.
  • Wir wählen einrichtungsspezifisch sowie alters- und entwicklungsabhängig die Anredeformen für die Kinder, Jugendlichen und Familien und die Beschäftigten. Wir setzen getroffene Festlegungen einheitlich um.


3. Die Transparenz unseres pädagogischen Handelns

Wir legen großen Wert darauf, dass unser pädagogisches Handeln nach innen und außen nachvollziehbar gestaltet wird. So besteht jederzeit die Möglichkeit, die Arbeitsweise zu überprüfen und die Qualität unserer Arbeit darzustellen.
Offenheit und Transparenz schafft Handlungssicherheit für alle Beschäftigten

  • Wir respektieren das Bedürfnis von Kindern und Jugendlichen nach Beziehung und Bindung. Wir gestalten ein alters- und entwicklungsentsprechendes „Nähe- und Distanz- Verhältnis“ unter Berücksichtigung der biografischen Hintergründe der Kinder, Jugendlichen und Familien.
  • Wir gewährleisten bei sensiblen Situationen das „Prinzip der Öffentlichkeit“, d.h. alles was wir tun, können wir pädagogisch im Team begründen. Insbesondere erklären wir bei diesen Situationen unsere unterstützenden Tätigkeiten (u.a. bei Hygiene, zu Bett bringen, Wecken, Krankenpflege).
  • Wir führen grundsätzlich keine privaten Kontakte zwischen Kinder und Jugendlichen und Mitarbeiter/innen in der Wohnung bzw. im Umfeld beider durch.
  • Wir gehen wertschätzend mit persönlichen Geschenken von Kindern, Jugendlichen und Familien um und kommunizieren es offen im Team.
  • Wir tätigen keine privaten Geld- und Tauschgeschäfte (z. B. Vorkasse, Ausleihe) mit Kindern, Jugendlichen und Familien.
  • Wir evaluieren unsere Arbeit regelmäßig und lassen die Ergebnisse in unsere Arbeit einfließen.
  • Wir dokumentieren unsere Arbeit umfassend und nachvollziehbar
  • Wir verfügen über eine transparentes Beschwerdemanagement, das allen Betroffenen bekannt und zugänglich ist.
  • Wir betrachten Fehler und Kritik als Chance zur Weiterentwicklung unserer Professionalität.


Wir erachten es als notwendig, dass dieses Arbeitspapier kontinuierlich fortgeschrieben und aktualisiert wird. Voraussetzung für die Implementierung des Arbeitspapieres ist eine offene und vertrauensvolle Kommunikation. Besonders wichtig ist uns, dass unsere betreuten Kinder, Jugendlichen und Familien über „Unser Selbstverständnis“ informiert werden und angemessen an der Weiterentwicklung beteiligt werden.

Differenzierte Beschreibungen aller Prozesse sind in den Leistungsbeschreibungen, Konzeptionen und Standards im Qualitätsmanagementhandbuch der Einrichtungen sowie in den Führungsgrundsätzen der AWO AJS gGmbH dargestellt.